Tiramisù: die Geschichte hinter Italiens bekanntestem Dessert
- 5. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Kaum ein Dessert ist so bekannt und gleichzeitig so oft schlecht gemacht wie Tiramisù. Es steht auf fast jeder italienischen Karte der Welt, und trotzdem trennen sich an ihm die Geister. Der Grund: Tiramisù hat nur eine Handvoll Zutaten und keinerlei Möglichkeit, Fehler zu verstecken.

Woher der Name kommt
Tiramisù heisst wörtlich etwa "zieh mich hoch" oder "muntere mich auf". Das ist keine Poesie, sondern eine ziemlich sachliche Beschreibung: Espresso, Zucker und Eier ergeben zusammen eine Wirkung, die man nach einem schweren Essen durchaus spürt.
Wer das Dessert erfunden hat, ist bis heute umstritten. Die bekannteste Version verortet den Ursprung in Treviso in Venetien in den 1960er- oder 1970er-Jahren. Eine zweite, ebenso hartnäckig vertretene Version stammt aus dem Friaul. Beide Regionen haben Belege, beide haben Anhänger, und beide werden sich vermutlich nie einigen. Sicher ist nur, dass Tiramisù ein vergleichsweise junges Dessert ist. Es ist kein Jahrhunderte alter Klassiker, sondern eine moderne Erfindung, die sich extrem schnell durchgesetzt hat.
Die fünf Zutaten, um die es geht
Klassisches Tiramisù besteht aus Mascarpone, Eiern, Zucker, Espresso und Savoiardi, also Löffelbiskuits. Dazu Kakaopulver zum Bestäuben. Alles andere ist Interpretation. Kein Rahm, kein Gelatinepulver, keine Vanille: Wer die Creme mit Schlagrahm streckt, macht sie stabiler, aber weniger interessant.
Der Espresso muss stark und vor allem abgekühlt sein. Heisser Kaffee weicht die Biskuits sofort durch. Und die Biskuits gehören kurz eingetaucht, nicht eingeweicht. Zwei Sekunden pro Seite reichen meistens. Das ist der Punkt, an dem die meisten hausgemachten Tiramisù scheitern.
Die häufigsten Fehler
Zu süss ist der Klassiker. Tiramisù soll durch den Espresso und den Kakao eine bittere Gegenlinie haben, sonst schmeckt es flach. Zu kalt ist der zweite Fehler: Direkt aus dem Kühlschrank serviert, ist die Mascarponecreme fest und aromatisch verschlossen. Ein paar Minuten bei Raumtemperatur machen einen erstaunlichen Unterschied.
Der dritte Fehler ist Ungeduld. Tiramisù braucht mehrere Stunden im Kühlen, damit sich die Schichten setzen und die Aromen verbinden. Frisch geschichtet ist es kein Dessert, sondern eine Baustelle.
Tiramisù im Anemoia
Bei uns steht das Tiramisù della Casa auf der Karte, hausgemacht und bewusst nicht zu süss. Daneben gibt es unsere eigene Interpretation, das Ricordo d Anemoia, ein destrukturiertes Tiramisù: dieselben Zutaten, neu zusammengesetzt. Der Name ist Programm, denn Anemoia beschreibt die Sehnsucht nach einer Zeit, die man selbst nie erlebt hat. Genau das kann ein gutes Dessert auslösen.
Dazu ein Espresso. In Italien ist das keine Option, sondern der Abschluss.
Komm vorbei
Dolci im Anemoia, Fabrikstrasse 23 in Zürich. Reserviere deinen Tisch über anemoia.ch und lass den Abend süss ausklingen.

Kommentare